Vincent Wolfsteiner

Sänger Homepage

Month: June, 2013

Weiter ging’s …. und aus war’s !

Das Straussüben hatte ja schon einen Vorgeschmack auf die Schwierigkeit von Ariadne gegeben … und die nächste Tour hatte es ja nun auch weiß Gott inne. Also, was überlege ich mir ? – ich fahre zur Probe nach Gera am 3.Mai – schlafe dort – fahre nach der Probe am 4. wieder zurück nach München, um noch eine meiner geliebten Bergtouren einzuschieben, bevor ich mich auf die letzte Höllentour begebe.

Gedacht – getan … die Probe war tatsächlich schwierig, lang und interessant – am Abend gab’s noch ‘ne Einweisung für das Gastspiel in Winterthur und ab zurück nachhause. In der Nacht miserabel geschlafen … aber Rucksack auf, in’s Auto und eine der unglaublichsten Bergtouren seit langem gemacht – Herzogstand/Heimgarten Rundgang in unter 3 1/2 Stunden !

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… aber, auf dem Abstieg hab’ ich schon gemerkt, daß sich mein Hals komisch anfühlt …. oh, oh !!!

Trotzdem – fertiggepackt – und am Freitag ab in’s Auto und nach Oldenburg gefahren. Die folgende Höllentour besteht aus: Oldenburg Cardillac – danach Dernierenfeier – danach nach Dessau… am nächsten Tag Fidelioproben – dann weiter nach Schweinfurt … dort am Mittwoch und am Samstag Fidelio und in der Nacht vom Samstag auf Sonntag noch nach Winterthur um dort Nachmittagsvorstellung Ariadne mit Gera als Gastspiel zu singen.

In Oldenburg also brav im Hotel geblieben, aber der Hals wird rauher und rauher … Absagegedanken schwirren durch den Kopf, aber ich hatte doch die Dernierenfeier für Cardillac organisiert und da kann ich doch die Vorstellung nicht absagen !! Am nächsten Abend also mit fast nix mehr Stimme in’s Haus – hab mich ansagen lassen – völlig zurecht… war echt schwierig. Trotzdem – denke ich mir – Dernierenfeier verdient ! Ganze Nacht mit lieben Freunden lustig gefeiert am nächsten Tag noch einen der schönsten Tage erlebt – nach Dessau gefahren und krank geworden.

Langer Rede kurzer Sinn: jetzt sitze ich deprimiert am Mittwochabend im Hotelzimmer in Schweinfurt, während die anderen ohne mich Fidelio aufführen … ich hasse Absagen – hab’s erst einmal im Leben getan und lese diesen Blog, ob des Verdachts, daß ich an dieser Situation vielleicht nicht ganz unschuldig bin – inzwischen weiß ich aber, daß ich einen Grippevirus habe. Der muß schon vor der Tour am Donnerstag incubiert worden sein – wieder eine Lektion erfahren – gelernt wäre zuviel gesagt …

Höllentour (vorläufig ?) letzter Teil …

also… am Ostermontag losgefahren nach Gera – zum erstenmal Mitfahrzentralmitfahrer mitgenommen – nett. Dann noch von Gera in die Altenburger Treppengassenpension und ein wenig Trübsal geblasen. Am nächsten Morgen mit Kollege Wouterse beim Frühstück Unsinn geredet und ein bischen Spaß gehabt … auf geht’s zur letzten Vorstellung Wallenstein..

Lief tadellos und danach noch Probe für die Herrenszenen von Manon Lescaut … war ein wenig wirr, da die anderen Herren die Probe unter der Aufnahme von Bier gestaltet haben … ging aber trotzdem … dann sind alle nach Gera abgezischt und ich hatte das Vergnügen eines einsamen Abends in Altenburg – war irgendwie weniger krass als gedacht…

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Schloß Altenburg

Nächster Morgen letztes Frühstück in der netten Treppengasse, danach Abfahrt nach Oldenburg … zwischen Halle und Magdeburg war schon wieder Schluß mit Fahren – Stau Nr. 1, danach noch mehr Stau und Stau und Dreckstau … acht Stunden Fahrt von Thüringen nach Oldenburg !! Also dort ab in’n Eversten Holz und Wut aus’m Bauch laufen … absolute Rekordzeit ! Dann inner Innenstadt was gehappt und ab inne Betten …. Recht gut geschlafen und langsame, ordentliche Vorbereitung auf die Cardillacvorstellung am Abend – eingendenk dessen, daß ich mich nach der Vorstellung ja in’s Auto hocke und noch zurück nach Gera fahre. Habe mir vorgenommen ie Plärrrolle so italienisch wie möglich zu singen und das hat echt gut hingehauen … echt gut !

Dann noch ein bischen mit den Kollegen geschwatzt ab in’s Auto und für die o.g. Strecke diesmal keine acht Stunden, sondern drei Stunden 45 Minuten gebraucht … dann noch ‘ne halbe Stunde beim Hoteleinchecken genervt worden – wenn man zu blöd für’n Computer is’ soll man Papier benutzen …

Kurz geschlafen, gut gefrühstückt und ab zur Probe um 11 Uhr Früh … Ausrine Stundyte kennengelernt – boah was für ein Sopran ! Probe hat schon so viel Spaß gemacht ! War anstrengend, aber hat einem richtig Lust auf den Abend gemacht !

Manon Lescaut geht so: ein wüschtes Mädel soll in ein Kloster gebracht werden um Anstand zu lernen. Bei einem Zwischenstop verliebt sich der zynische Student DesGrieux in sie. Manons spielsüchtiger Bruder Lescaut hat inzwischen Manon an einen alten Lustgauner verscherbelt. Manon flüchtet mit DesGrieux…. aber nicht für lange. Die luxussüchtige Manon hat DesGrieux verlassen und ist zum Lustgauner gezogen, wo sie von ihrem jugendlichen Lover zur Rede gestellt wird und sich entschließt, doch wieder zu DesGrieux zurückzukehren … nicht ohne ein paar von den hübschesten, teuersten Geschenken des Lustgauners mitgehen zu lassen. Der stopt die Flucht und zeigt Manon wegen Diebstahls an – was zu ihrer Inhaftierung und zur Verurteilung zu Deportation nach Amerika führt. Bei der Abfahrt in LeHavre unternimmt DesGrieux einen erfolglosen Befreiungsversuch und beschließt als Schiffsjunge Manon nach Amerika zu folgen. Manon und DesGrieux finden sich auf der Flucht aus einem Strafgefangenenlager in den Sümpfen Lousiannas wieder, wo Manon in den Armen ihres Geliebten an Erschöpfung stirbt.

Der Abend war dann der Traum – toll Musik gemacht, irre gespielt, satt Applaus abgesahnt … was für eine Derniere für eine der schönsten Produktionen, an der ich je teilgenommen habe. Vielen Dank an die Kollegen !!! Danach noch’n paar Bier und abschlafen, um die vom Sopran bei der Kusszene angebissene Lippe zu heilen.

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Am nächsten Morgen nach Nürnberg, Frau und Schwiegermutter aufgegabelt und in das liebreizende Autbahnexpressholidayhotel eingecheckt… wieder schlafen. Sonntag Früh dann kurze Abstimmung mit dem – an diesem Morgen um sieben aus Costa Rica zurückgekehrten – Organisten und auf der Erstkommunion der Nichte hübsch Mendelssohn gesungen. Bissle Waan, bissle Bier, bissle frängisches Essen, Schlafen und ab nachhause.

Höllentour vorbei – eigentlich gar nicht so schlimm … bis sich meine arme Stimme heute den Strauss zum erstmal seit Ewigkeiten rausgequält hat … geht die Höllentour etwa weiter ?

Höllentour dritter Teil und Pause

tjaja, der Cardillac ist ein schweres Stück !

Cardillac geht so: Ein leicht verrückter Schmuckdesigner, der alleine mit seiner Tochter lebt, kann die Aufgabe seiner geliebten Werke durch Verkauf nicht verkraften, tötet in Folge die Käufer und holt den Schmuck zurück. Als seine Tochter einen skrupellosen Offizier heiraten will, versteht dieser Cardillacs Wahn, provoziert ihn zur aufklärenden Tat und wird durch die Eskalation der Situation Sieger an Cardillacs Stelle.

Szenische Probe am Mittag lief reibungslos, weswegen man dem Stück mit Selbstvertrauen begegnen konnte. Aber schon beim ersten Ton merke ich den neuen Beat des neuen Dirigenten. Toll hat der Maestro Bönisch das dirigiert. Sofort mag ich Tempi und vor allem Dynamik, dem Hörer fällt sofort die Vertrautheit des Orchesters mit diesem Kapellmeister auf … aber für den Sänger ist ein neuer Rhytmus halt immer auch ein neues Atmen. War zu Beginn auch absolut kein Problem, Duett mit Sopran und vor allem das Duett mit Cardillac liefen so gut wie noch nie – nur aus der höllischen Ariette und ihrem neuen Tempo bin ich nicht sauber rausgekommen und dann hat’s ein paarmal gekracht … Der Abend blieb aber so spannungsgeladen und aufregend, daß die scheinbar nicht weiter gestört haben, denn der Applaus war lange und freundlich … wie gesagt ein schweres Stück.

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Weswegen wir es Donnerstag ja gleich nochmal machen – diesmal aber unter noch ganz anderen Vorzeichen: Morgen Abend geht’s nach einer sehr beschaulichen, und freundlichen Osterpause wieder nach Altenburg – dort dann am Dienstag der letzte Wallenstein (ohhhhhh !), direkt danach Probe für meine einzige Vorstellung Manon Lescaut in Gera, am Morgen danach Fahrt nach Oldenburg – am nächsten Tag Vorstellung Cardillac in Oldenburg – danach gleich in’s Auto – ab nach Gera – dort am Mittag Probe mit dem Sopran für Manon und am Abend die Vorstellung …. JUHU ! Am Morgen danach geht’s auch immer noch nicht nachhause, sondern noch in die Nähe von Nürnberg, um bei der Erstkommunion der Nicht eine Arie aus dem Elija zu singen… Höllentour eben 🙂 !

Höllentour zweiter Teil

Tja, ja durch die Gegend reisen und die Pflicht mit dem Angenehmen verbinden macht Spaß.

Bleibe also nach einer anstrengenden Probe in Dessau noch eine Extranacht und schaue mir dort Weills Protagonist und Leoncavallos I Pagliacci an. Wenn man an dem Haus fast eineinhalb Jahre ständig gesungen hat, fallen einem die Veränderungen natürlich schon auf. So leer war eine vierte Vorstellung früher nicht… Ihr müß weiter in Euer Theater gehen, liebe Dessauer – da gibt’s immer noch tolle Sachen zu sehen !

Der Protagonist besteht im Grunde aus einer durch die anderen Protagonisten der Oper lediglich unterbrochenen Dauerarie des Tenors – hervorragend gespielt und gesungen vom jungen Angus Woods – echt ein tolles Talent ! Die anderen Rollen wurden auch super gesungen und gespielt, die Inszenierung hat einen leider nicht vom Hocker gerissen. Dasselbe gilt für Pagliacci – rundum ein schöner Abend, besonders verzaubert vom hinreißend schön gesungenen Tonio von Ulf Paulsen – Bravo !

So, dann noch lustig Bier mit den Kollegen getrunken und am nächsten Morgen ab nach Hannover zur Siegfriedpremiere. Gleich vorher schon nette Kollegen getroffen und mich selber im Großformat bewundert:

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und dann ging’s los … im Grunde ging’s dann richtig ab ! Boah das Ding ist hat’s in sich … so kurzweilig ist mir der lange Siegfried noch nie vorgekommen und Robert Künzlis Spitzentöne glänzen wie Stahl bis zum Schluß, was diese schwierige Oper äußerst im Standart hebt – BRAVO TENORE !

Danach habe ich mich auf der Premierenfeier nicht wirklich gut in der Weißweinaufnahme beherrscht – aber sehr nett mit jeder Menge alten und neuen Kollegen und freundlichen anderen Menschen gesprochen… So, der Montag dementsprechend … im Auto mit Schädel nach Oldenburg gequält und – abgesehen von ein bischen Arbeit an Manon und Italienischlernen – einen Ruhetag eingelegt.

Dienstag Sitzprobe am Abend mit dem neuen Dirigenten des Cardillac in Oldenburg. Nett mit den Kollegen geschwatzt, Sorgen und Nöte anghört und dann eine sehr gute (zu gut ?) Sitzprobe dieses schwierigen Stückes gehabt – trotz allgeimen einsetzender Allergiebeschwerden haben wir alle ganz gut gesungen … morgen szenische Probe und Aufführung und dann seh’ma weiter ….

Coming home !

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wer mir jemals erzählt hätte, daß es möglich ist, in diese unmögliche Ruine einer nach Kloake stinkenden Stadt, mit diesem Monstrum eines Theaters nach knapp zwei Jahren zurückzukommen und ein Gefühl der glücklichen Rückkehr zu empfinden, den hätte ich für einen Trottel gehalten.

Tatsächlich ist es immer anders als gedacht und die lieben Kollegen, der seltsame Stadtmix und das beste Kaffee im Osten … da wo’s am Sonntag fett Brunch gibt – haben mich willkommen geheißen und ich fühle mich wohl im anhaltinischen Schoß.

Freu mich auf’s Opernanschauen morgen – TOI TOI TOI an die Kollegen !

Wallenstein

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Wallenstein geht so:

Ein selbstherrlicher General glaubt Europa durch Krieg den Frieden bringen zu können und im gleichen Zuge die Macht über Europa zu ergreifen, da er ja der einzige ist, der Frieden bringt. Dem Kaiser passt das nicht, er besticht mit Leichtigkeit einige direkte Vertraute Wallensteins, die ihn über die Klinge springen lassen. Seine Tochter und ihr Liebster sind die einzigen, die treu zu ihm halten und bringen sich – er indirekt im Himmelfahrtskommando (meine Rolle), sie sich direkt – um.

In Gera/Altenburg wurde dem scheidenden Intendanten manchmal vorgeworfen nur Stücke anzubieten, nach denen man sich Scheiße fühlt. Alles sei immer dunkel und negativ.

Ein wenig muß er sich diesen Vorwurf vielleicht gefallen lassen, aber zu seiner Verteidigung sei gesagt, daß dieser dunkle Vorhang des Unglücks der Oper natürlich sowieso anhaftet. Matthias Oldags Liebe zum Ausgraben unbekannter Stücke hat einige Perlen (diese hier vielleicht nicht unbedingt in musikalischer Hinsicht ) an Land befördert – und sie sind immer sehenswert musiziert und inszeniert.

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In Altenburg ist man den Kollegen sehr nah – is aber gemütlich…

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gerade frisch gestorben

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Böser Kollege Wouterse – mein Vater und der Hauptverräter

 Ohr

 

Qui habet aures audiendi, audiat!

Man beachte das angewachsene Läppchen und die zulaufende Spitze… spockverdächtig

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Ich hasse es im Frack in einer hell beleuchteten Halle zu stehen, den Leuten beim Singen in’s Gesicht zu sehen und die schönste Dramatik in einen Text zu stecken, der natürlich überhaupt nicht zu einer Figur passt, die wie ein Pinguin vor einem Orchester steht. So mal wieder geschehen letzte Woche in Augsburg: 1. Akt […]